Baum des Lebens - Weltenbaum
Der Zaunreiter

 


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Das kleine Lexikon zum Schamanismus
und seiner Grenzbereiche


Lexikon Schamanismus beruht auf Beobachtung und Erfahrung:
Zunächst einmal auf der bloßen Beobachtung der sichtbaren alltäglichen Wirk­lich­keit und dann auf den Erfahrungen im Umgang mit geistigen Kräften. Beide Wirk­lich­keiten sind aber real und gehören zusammen: Das sogenannte Über­natür­liche gibt es nicht.

Um die schamanische Erfahrung zu artikulieren, werden teilweise eigene Begriffe verwendet; einige wenige allgemein verwendete Begriffe haben eine leicht veränderte oder erweiterte Bedeutung. Deswegen erfolgt hier zum besseren Verständnis eine Übersicht über die gebräuchlichsten Begriffe. Die Begriffe »Praktiken«, »Techniken« und »Rituale« gebrauche ich im Allgemeinen synonym.

 

 Ahnen — Außerkörperliche Erfahrung   Initiation   Räuchern — Rituelle Körperhaltungen 
 Berufung — Bewußtseinszustand   Karma — Kristall   Schamanische Reise — Seele 
 Chakra — Divination   Luzides Träumen   Seelenverlust — Symbol 
 Ekstase — Extraktion   Magie — Mittlere Welt   Trance — Untere Welt 
 Familiar   NTE — Nichtalltägliche Wiklichkeit   Verbündete — Visionssuche
 Geist(er) — Gott   Obere Welt — Omen   Weltbild — Wicca 
 Heilritual — Hexe   Polarität — Psychopompo   Zauber — Zerstückelung 

 

Ahnen   Die Seelen unserer verstorbenen biologischen Vorfahren. Im Schamanismus werden auch die zu unserer Lebzeit ver­storbenen eigenen Kinder als Ahnen angesehen. D. h. als Ahne gilt jeder uns Voraufgegangene. Sie können als Geist­wesen in der ➞ nicht-alltäglichen Wirklichkeit angetroffen werden.

Alltägliche Wirklichkeit   Die Wirklichkeit, wie wir sie mit unseren Sinnen im Wachzustand und mittels unserer physikalischen Instrumenten wahrnehmen. Sie ist messbar und den bekannten Naturgesetzen unterworfen.

Aufmerksamkeit, zweite   Die sogenannte zweite Aufmerksamkeit ist ein durch verschiedene Techniken hervorgerufener ➞ Bewusstseinszustand, in dem z. B. ➞ luzides Träumen oder ➞ schamanische Reisen erlebbar sind.

Ausbildung   In indigenen Kulturen wurde das schamanische Wissen seit Jahrtausenden mündlich weiter getragen. Dabei lehrten nicht nur schamanisch begabte Menschen ihre Kinder, sondern lernten selbst aus den Erfahrungen mit den Geistwesen, lernten aus der Beobachtung der Natur und ihrer Phänomene. Interessierte Menschen suchten sich anerkannte Schamanen als Lehrer, die von den Lernenden oft zuerst eine ➞ Visions­suche forderten. Meist waren die Lehrlinge schon in Kindheit und Jugend durch besondere außergewöhnliche Gaben aufgefallen.

Schamanisches Wissen wird heute bei uns im Westen in Form von Büchern und Seminaren weitergegeben. Zwar kann man heute fast alles über Schamanismus in Büchern nachlesen, eine Einführung und Begleitung durch erfahrene schamanisch Tätige ist aber dennoch angesagt: für den Einzelnen bleiben meist zu viele Fragen offen und auch in der nicht-alltäglichen Wirklichkeit gibt es Kräfte, die nur mit Vorsicht zu genießen sind. Entscheidend ist aber nicht so sehr der alleinige Besuch von Wochenend-Seminaren, sondern noch mehr die gelebte Praxis. Über die letztendliche ➞ Beru­fung zum Schamanen / zur Schamanin (oder wie die regionalen Titel auch heißen mögen) entscheidet alleine die geistige Welt. Nicht alle Schamanen / Schamaninnen geben ihr Wissen in Seminaren weiter, einige suchen sich selbst die ihnen geeignet erscheinenden Nachfolger aus.

Ausrüstung   Wenn überhaupt vorhanden, mutet sie primitiv an. Von ihr ist im Grunde herzlich wenig vonnöten: Ihr wesentlicher Umfang besteht (althergebracht) aus Trommel, Rassel, Räucherwerk usw. Je »stärker« ein Schamane ist, desto weniger davon braucht er. Indigene Schamanen können noch eine besondere Schamanenkleidung und Kopfschmuck als Zeichen ihres Standes haben.

Außerkörperliche Erfahrung   (out-of-body-experience) zeigt sich während eines veränderten (erweiterten) Bewusstseinszustands und in (luziden) Träumen. Die ➞ schama­nische Reise ist eine außerkörperliche Erfahrung.

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Berufung   Sie erfolgt ausschließlich durch die geistige Welt selbst und zeigt sich in dem inneren Drang und / oder der bewusst gewordenen Bestimmung, den schamanischen Weg weiter zu gehen — auch gegen Widerstände. Auch Vorzeichen (➞ Omen) und spontan auftretende Bewusstseinsveränderungen können die Berufung anzeigen. Bei den indigenen Völkern sträubt sich der / die Berufene oft dagegen, weil damit eine hohe Verant­wortung für die Stammesgesellschaft verbunden ist. Die Echtheit der Berufung zeigt sich zudem in den Erfolgen, die sein schamanisches Wirken zeigt.

Besetzung   Zeitweise oder immerwährende Beeinflussung, z. T. Steuerung, von Körper und Bewusstsein eines Menschen durch die Seele eines Verstorbenen oder eines fremden Geistwesens. Der Körper des Betreffenden ist besetzt, der Einfluss von Ratio und Willen, auch von der eigenen Seele, ist an den Rand gedrängt. Der Besetzende hat nicht vor, sein »Haus«, den Körper des Besetzten, freiwillig zu verlassen. Die Besetzung zu lösen ist schwierig, aufwendig und nicht immer ganz ungefährlich.

Besprechen   Die Kraft des Wortes einsetzen: Sich mit der Kraft verbunden, die einem heilig ist, ja, sich im Idealfall mit ihr ➞ verschmelzen. Selbstvertrauen, Hingabe, Entschlossenheit und Liebe gehören unabdingbar dazu. Besprechen ist also mehr als bitten oder beten. So gesprochene Worte (oder Gesänge) sind eine ent­scheidende Kraft im Heilgeschehen. Das bloße Hersagen eines alten Heil- oder Zauberspruchs ist es also nicht, dies bringt gar nichts. Die Sprüche selbst können einem bestimmten Muster folgen. So kann z. B. zuerst der Vorgang des Ab­nehmens bei verschieden natürlichen Phänomenen dargestellt werden – genauso soll dann die angesprochene Krankheit abnehmen und ganz verschwinden. Manchmal werden noch ➞ Kraft­objekte zur Unterstützung herangezogen.

Bewusstseinszustand   In der Psychologie wird zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen unterschieden. Geläufig ist allen Menschen z. B. der Zustand des Träumens, des Dämmerns (Hypnagogie) und der Wachzustand. Letzterer bezeichnet die elementare Daseinsgewissheit, in der unsere physikalische Umwelt sinnlich erfahrbar ist. Das Gehirn befindet sich dann im Betarhythmus und arbeitet mit einer Frequenz von normal 14 bis 30 (maximal 100) Hertz.

Der durch (leichte) ➞ Trance hervorgerufene veränderte, bzw. erweiterte Bewusstseinszustand ist eine Voraussetzung für »außersinnliche« Wahrnehmungen. D. h. das Lösen der im normalen Wachzustand vorhandenen Barrieren, die Verstärkung der Wahrnehmung und das Überschreiten der Grenze in andere, sonst nicht wahrnehmbare Erfahrungsbereiche. Der erweiterte Bewusst­seinszustand ähnelt dem ➞ luziden Träumen. Im Gegensatz zu diesem Träumen wird der erweiterte Bewusst­seinszustand im Wachzustand erreicht und umfasst auch einen erweiterten Bewegungsraum, in dem man sich bewegen, also »reisen« kann. Das Gehirn befindet sich dann in einem Zustand ähnlich wie kurz vor dem Einschlafen, die Gehirnfrequenz sinkt auf 5 bis 8 Hertz (Thetarhythmus). Doch während dabei normalerweise eine Erlebnisleere eintritt, zeigt sich bei dieser ➞ Trance ein eindrucksvolles visionäres Erleben. Trotzdem bleibt man in diesem Zustand Herr seiner Sinne.

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Chakra   (Sanskrit: »Rad«, »Diskus«, »Kreis«), trichterförmige Energiezentren, die entlang der senkrechten Mittelachse des Körpers angeordnet und nach vorne und hinten hin geöffnet sind. Der Begriff Chakra kommt aus dem tantrischen Buddhismus und Hinduismus, wird sowohl im Yoga sowie auch einigen anderen Lehren gebraucht. Von dort ist er in den westlichen Schamanismus eingedrungen. Die Chakren sind einerseits Energiezentren und stellen andererseits energetische Verbindungen zwischen dem physischen Körper und dem feinstofflichen Körper sowie dem energetischen Umfeld her.
Am weitesten verbreitet ist die Orientierung an sieben Hauptchakren. Von unten nach oben: das Wurzelchakra , das Sakral- oder Sexualchakra, das Nabel- oder Solarplexuschakra, das Herzchakra, Hals- oder Kehlchakra, das Stirnchakra und schließlich auf dem Kopf das Kronen- oder Scheitelchakra. Den einzelnen Chakren sind, je nach Lehre, jeweils eine Farbe, bzw. eine Lotosblume mit stetig wachsender Blätterzahl zugeordnet. Andere Kulturkreise kennen neun Hauptchakren, wie z. B. bestimmte Maya-Völker in Mittelamerika, wovon jedoch sieben der buddhistisch / hinduistischen Charakterisierung entsprechen. Auch die Bön in Tibet / Nepal und die Zulu in Afrika sowie die Hopi und Cherokee in Nordamerika kennen solche Chakrensysteme – natürlich unter anderem Namen. Neben den Hauptchakren gibt es noch eine größere Zahl weiterer, kleinerer Chakren.
Jedes Chakra wirkt auf bestimmte Organe, wirkt aber genauso auf die Seele. Störungen und Blockaden der Chakren können sich daher physisch und oder auch psychisch auswirken.

Deva   (indisch) ➞ Geist, Geistwesen. Bei uns oft als Bezeichnung für einen Pflanzengeist gebraucht.

Divination   "Unter Divination versteht man nicht nur Enthüllung der Zukunft, sondern jede Auslegung von Zeichen der Götter." (aus: ➞ Wikipedia, Georg Hügler, 13. Mai 2018). Begrifflich umschließt Divination die ver­schiedenen strukturierten Methoden der Informations­gewinnung mittels intuitiver Einsicht. Sie erfolgt oft durch das Lesen von ➞ Omen, Vorzeichen oder vermittels Karten-, Runen- oder Steinelegen. Eigentlich bedeutet sie »Befragung des Göttlichen«, oder, anders gesagt, der inneren, geistigen, der nichtalltäglichen Welt. Dazu gehören auch schama­nische Techniken, wie die Befragung in einer ➞ schama­nischen Reise. Ziel ist immer die Gewinnung von Aussagen über die Entwicklung einer bestimmten gegenwärtigen oder einer möglichen zukünftigen Entwicklung.

Doch die Zukunft ist selten ganz »fest«, sie richtet sich meist danach, wie wahrscheinlich eine Entwicklung ist und welche Kräfte dabei eine Rolle spielen. Auch Zufälle spielen in einer Entwicklung eine Rolle, doch die kann eine Divination nicht vorhersagen (»shit happens«). Auch kann sie, wie ich bei ➞ Rituale schrieb: "durch unsere Entscheidungen (bedingt) verändert werden — wenn wir das wollen und uns die Möglichkeit dazu bleibt. Das wussten schon unsere Altvorderen und sprachen von den drei Nornen, die die Lebensfäden eines Menschen aus seinen Taten, Unterlassungen und seinen Umgebungs­bedingungen zusammen weben. Anders gesagt: Jeder ist am Ende da, wo er / sie hingegangen ist." Ob man das wollte oder nicht.

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Ekstase   »Heraustreten, Außersichsein«, auch »Verzückung«. "Ekstase ist eine Sammelbezeichnung für besonders intensive psychische Ausnahme-Zustände, die einer ➞ Trance ähneln oder durch eine solche entfesselt werden. Sie werden von den Betroffenen als dramatische Zustandsveränderungen des Bewusstseins beschrieben." So schreibt ➞ Wikipedia, Aka, 19. April 2018. Nun, so dramatisch ist die durch akustische Signale o. Ä. hervorgerufene Ekstase meist nicht. Das Wort bezeichnet hier das Erleben außerhalb seiner selbst zu sein, seinen Körper von außen sehen zu können, vor allem, auf Reisen in andere Daseins­bereiche gehen und andere geografische Orte besuchen zu können: Also eine Bewusstseinserweiterung. Ekstase hat nichts mit Hemmungs­losigkeit und Exzess zu tun. Tatsächlich ist es mehr eine Enstase, ein durch ein »inneres Tor« erfolgender Übergang in ein anderes Sein. Sie erzeugt zumeist ein freudiges, erhebendes Lebensgefühl. Die ➞ hier aufgeführten Möglichkeiten sind in der Lage, die im Körper eingebauten Schranken abzubauen und eine Ausweitung der Wahrnehmung herbeizuführen.

Ekstase führt nicht zum Für-Wahr-Halten von irgend etwas Pseudo-Religiösen. Ekstase kann zu intensivem Erleben und Erfahrung führen. Von daher kann es auch eine echte religiöse Erfahrung bewirken. In der chr. Theologie wird die auf Glauben basierende Religion häufig als »Rückbindung an das Göttliche« interpretiert. Da in einer gut vorbereiteten Ekstase auch Erfahrungen in beeindruckenden heiligen und göttlichen Bereichen möglich sind, erübrigt sich der Glaube an etwas, was von dritten gepredigt wird oder in Büchern niedergeschrieben ist. Damit schafft Ekstase nicht Glauben an etwas, sondern Zugang zu etwas!

Extraktion   Fremdkörper gehören dort, wo sie im Augenblick sind, nicht hin. Sie stören, schmerzen, behindern, können qualvoll sein und u. U. sogar den Tod bringen. Das gilt sowohl für materielle als auch für immateriell Fremdkörper, geistige Objekte und Wesenheiten, die sich in Körper und Aura einnisten, aber manchmal auch in böswilliger Absicht eingedrungen sind oder eingebracht wurden. Sie spiegeln z. B. die spirituelle Essenz natürlicher Krankheitserreger oder die spirituellen Waffen eines Angreifers. Sie müssen entfernt, extrahiert werden, um weiteren Schaden abzuwehren. Schamanisch geschieht dies durch Aussaugen oder mit Hilfe einer Heilfeder. Die fremden Objekte werden anschließend in einem Gefäß mit Wasser in die Natur verbracht.

 

Familiar   siehe ➞ Krafttier

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Geist(er), Götter usw.   "Geister", "Götter" usw. können als (intelligente) Kräfte verstanden werden, als "innere Strukturen" (C. Rätsch) äußerlich wirkender Phänomene. Dem visionär begabten Menschen erscheinen sie oft in Gestalt diverser Wesen: Zum Beispiel als Götter, Engel, Alben (Elfen), Tier- und Mischwesen in den unterschiedlichsten Gestalten. Als »Naturwesen« sollen sie in dem anderen, normal nicht sichtbaren Bereich dieser Welt existieren, wo sie als Dryaden, Zwerge, Nixen u. a. erscheinen. So viele Unter­schiedliche es von ihnen gibt, so viele Theorien und Erklärungs­versuche gibt es über sie. Sie zeigen sich nur selten sichtbar und können auf sehr unterschiedliche Weise erlebt werden. Man kann sie u. U. auch fühlen, hören oder ahnend wahrnehmen.
Letztendlich sind sie wahrscheinlich Begegnungsformen der universellen Kraft, die wir ➞ Gott, die Kraft usw. nennen. Von diesen Kräften/Geistern gibt es den Menschen wohl gesonnene, an ihnen desinteressierte und solche, die ihnen übel gesinnt sind.

Gesundheit   Aus schamanischer Sicht besteht Gesundheit in dem Ausgleich, der Harmonie mit den Kräften, die den Menschen beleben (»in der Mitte sein«) und in der Harmonie mit den Gesetzen und Kräften, die das Universum durchdringen. Krankheit ist demnach Disharmonie mit einer oder mehrerer dieser Kräfte und / oder Gesetze. ➞ Hei­lung ist damit Rückkehr in die Harmonie.

Gott — die Kraft   (ursprünglich »das Gott«) In der nicht-alltäglichen Wirklichkeit gibt es unendlich viele Kräfte/Wesenheiten, die wir gemeinhin als ➞ Geister, Götter, Engel usw. benennen. Doch — so sehen es auch alle sogenannten »gottlosen« Heiden — über ihnen allen steht jene unfassbare, uner­klärbare und unbe­schreib­bare große Kraft, die in unserem Kulturkreis Gott genannt wird. In schamanischen Kulturen ist einfach nur vom »großen Geist«, dem »großen Einen« oder von der uni­versellen, überall vorhandenen und alles verbindenden »Kraft« die Rede. Es ist die Kraft, die in jedem Elementar­teilchen vorhanden, die jedes Elektron um den Atomkern kreisen lässt.

Diese »Kraft« lebt, aber nicht in dem Sinne von lebendig sein. Sonst hätte sie irgendwo einen Anfang gehabt und würde sich im Laufe ihres Lebens verändern. Sie ist aber auch nicht tot, sonst müsste sie vorher lebendig gewesen sein, sondern ist in einem Zustand, den wir nicht kennen, nicht beschreiben oder irgendwie formulieren können. Alles im Universum ist Teil dieser Kraft, die nur in ihren Wirkungen erfahrbar ist. In den Lebewesen kann sie sich zur ➞ Seele verdichten und macht sie lebendig. Damit besteht aus schamanischer Sicht ein feiner Unterschied zwischen dem Leben an sich und lebendig sein: Das Leben war immer, ist überall und wird immer sein. Es ist ein Aspekt der »Kraft«. Ins Dasein und damit sichtbar wird das Leben aber nur dort, wo es eine Kreatur beseelt und diese dadurch lebendig wird. So ist die gesamte Natur belebt (voll Leben an sich), aber längst nicht alles ist lebendig.

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Heilrituale, Heilpraktiken   sind z. B.: ➞ Seelenrückholung, ➞ Krafttier­rückholung, ➞ Extraktion, Arbeit als ➞ Psycho­pompo, Anrufung im ➞ Medizinkreis u. a. m.

Heilung   "Prozess der Herstellung oder Wiederherstellung der körperlichen und seelischen Integrität aus einem Leiden oder einer Krankheit, oder die Überwindung einer Versehrtheit oder Verletzung durch Genesung." (aus: ➞ Wikipedia, Graphikus, 6. April 2018) Das »Wieder-ganz-werden« wird schamanisch zwar auch unter dem Aspekt der Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit, haupt­sächlich aber unter dem Gesichtspunkt der seelischen und geistigen »Ganzwerdung« gesehen — so z. B. bei der ➞ Seelen­rückholung. So kann es passieren, dass die andere Welt zwar die körperlichen Leiden durchaus erkennt, auf die Herstellung seelischer Gesundheit aber viel größeren Wert legt und dies zuerst geregelt sehen möchte. Dies aus dem Grund, weil sie das Heilsein der Seele als nicht-sterbliche Entität als wichtiger oder nötiger erachtet. Krankheit wird hier zudem vorwiegend als »Unordnung« verstanden. Etwas ist aus dem Gleich­gewicht gekommen, hat das »Netz des Lebens« ge- oder zerstört. Heilung bedeutet also zuerst Wiederherstellung der Ordnung, des Gleich­gewichts zwischen den verschiedenen geistigen Kräften, in deren Folge auch körperliche Gesundung eintreten kann. Und sie bedeutet eben auch das Entfernen von schädigenden Kräften.

Hexe   von ahd. »hagezussa«, die »in / an der Hecke Sitzende«. Gemeint ist damit wahrscheinlich die (alte) Frau, die ihren Platz an der Hecke aufsuchte, noch im Bereich des menschlich Geschaffenen, der Kultur. Es war der Ort an der Grenze zum Wilden, zur Natur. Dort hatte sie noch Kontakt zu den Devas, den Geistern der Tiere und Pflanzen und den Naturgeistern überhaupt. Von dort brachte sie die Kenntnisse über Heilkraft und Beschwörungsformeln zum Vertreiben der Krankheitserreger mit. Sie war von Anfang an der Kirche ein Dorn im Auge, denn sie war eine Konkurrenz, gingen doch bis Anfang der Neuzeit die Kranken lieber zu ihr als zu den Priestern.
Heute wird im westlichen Hexentum hauptsächlich Wert auf ➞ Magie im klassischen Sinne von Beschwörungen und magischen Handlungen (Puppenmagie, Liebeszauber, Pendeln, Karten legen, Duftmagie u. a.) gelegt, man arbeitet mit magischen Essenzen und pflegt Altäre. Auf der anderen Seite kennt man Krafttiere / Familiare und ➞ schama­nische Reisen und hat im Grunde ein ähnliches ➞ Wel­tbild wie im Schamanismus auch. Hexen arbeiten entweder allein oder organisieren sich in »Coven« (mit möglichst 13 Mitgliedern). Sehr enge Über­einstimmungen gibt es zwischen Kräuterhexen und Kräuterschamanen.

Wer auf die Idee kam, Hexen würden auf ihrem Besen reiten, ist heute unbekannt. Es ist nicht bekannt, dass sie das tun. Der Besen dient der rituellen (Haus)reingung, er dient als Symbol des Weltenbaums (siehe ➞ Welt­bild), er vertreibt, aufrecht neben die Tür gestellt böse Geister und, aufrecht vor sich gestellt, dienen die Reisigzweige als Stimulanz für das Bild des Waldes. Früher gingen Hexen ihrer Tätigkeit hauptsächlich im Freien nach, der Wald war bevorzugt ihr ➞ Kraft­platz, der magische Ort, der den Zugang zur anderen Wirklichkeit bot.

Das seit einigen Jahrzehnten neu entstandene Hexentum grenzt sich, ebenso wie die ➞ Wicca, vom Schamanismus ab, wiewohl die Grenzen dazu fließend sind. Es gibt Hexen, die schamanische Praktiken ganz ablehnen, andere benutzen sie ausgiebig, wenn es ihnen nötig erscheint. Hexentum und Schamanismus haben jedenfalls alte, gemeinsame Wurzeln. Der wesentliche Unterschied zwischen Hexen und schamanisch Tätigen in der westlichen Welt ist der, dass sich Hexen nur den spirituellen Kräfte dieser, der ➞ mittleren Welt zuwenden.
In Nepal gelten Hexen als »Killer«.

 

Initiation   »Einweihung, Zugang«. Als Initiant erhält man durch die geistige Welt die Reinigung, Einweihung und Befähigung sich in der nicht-alltäglichen Wirklichkeit zu bewegen und damit den Zugang zu ihren Kräften / zur universellen Kraft. Eine typisch schamanische Initiation ist die während einer ➞ schamanischen Reise stattfindende ➞ Zer­stückelung. Auch die ➞ Visions­suche kann zu einer Initiation führen. Bei jeder Initiation stirbt etwas Altes und entsteht etwas Neues.

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Karma   ist kein Schicksal im herkömmlichen Sinn, sondern bedeutet, sich über die Konsequenzen der eigenen Handlung bewusst zu sein (nach Dagyab Rinpoche). Das heißt, die Folgen jeder eigenen Handlung zu überdenken, da sie ja wiederum Ursache weiterer Handlungen sein wird. Wer karmisch denkt, ergründet die Ursachen für die derzeitige Situation und sucht seine Handlungen so zu gestalten, dass sie in Zukunft zu einem lebenswerteren Leben führen. Damit wird auch die volle Ver­antwortung für das eigene Handeln übernommen. Wer dagegen an ein vorherbestimmtes Schicksal glaubt, lehnt jede Eigenverantwortlichkeit ab.

Kraftlied   Ein besonderes Lied, eine Melodie oder Mantra, dass (initiierten) Schamanen aus der nicht-alltäglichen Wirklichkeit geschenkt werden kann und dann nur ihm / ihr gehört. Es ehrt die Geistwesen, ruft sie und ihre Kraft herbei, zentriert und kann heilen.

Kraftobjekt   Ein rituell geweihter, meist kunstvoll gefertigter Gegenstand, der oft einem spirituellen Verbündeten zugeordnet ist. Er symbolisiert dessen Kraft nicht nur, er kann sie vermitteln. Auch Amulette, Fetische und Talismane können Kraftobjekte sein.

Kraftplatz   Früher ein Platz in der Natur, der als besonders kraftvoll empfunden und geweiht und für Rituale und Anbetungen benutzt wurde. Er konnte sich durch besondere geografische Besonderheiten hervortun. Die christliche Kirche okkupierte viele dieser Kraftplätze und errichtete darauf ihre Kirchen­gebäude, um die »Heiden« vom Zugang zur Kraftquelle abzuschneiden. In vielen Kirchen ist das Vorhandensein der Kraft heute noch von sensiblen Menschen zu spüren. Heute wird unter Kraftplatz zumeist der Ort verstanden, an dem sich der / die schamanisch Tätige den Übergang in die nicht-alltägliche Wirklichkeit vorstellt — sie realisiert. Der Kraftplatz kann zwar ausschließlich in der Vorstellung vorhanden sein; einfacher ist es, wenn es ein konkreter Ort ist, den man auch physisch besuchen und dort sich vor Ort direkt Kraft holen kann.

Krafttier   Eigentlich ➞ Tier­verbün­deter. Normalerweise hat jeder Mensch ein sog. »Tier« als spirituellen Begleiter. Die Bezeichnung Krafttier war ursprünglich bei nord­amerikanischen Indianern der Westküste im Gebrauch. Bei uns war dagegen der (treffendere) Begriff Familiar ge­bräuchlich. Es ist ein Seelenführer, der bestimmte wichtige Aspekte unserer selbst spiegelt und uns im Wesenskern verwandt ist. Dieses Familiar ist kein real existierendes Tier, sondern die verdichtete Kraft, die artspezifische Wesenheit einer Tierart, die unsere wichtigsten Eigenarten repräsentiert. Es begleitet uns nicht nur in unserem irdischen Leben, sondern ist auch Helfer, Begleiter und Beschützer auf der ➞ schama­nischen Reise.

Krafttierrückholung   Fehlt das Krafttier / Familiar aus irgend welchen Gründen, kann es uns an Lebensmut und Lebenskraft fehlen. Eigenschaften und Fähigkeiten können dann zwar vorhanden sein, lassen sich bei seinem Fehlen entweder nicht mehr oder nur sehr schwer entwickeln, unserer innerer Sensor warnt uns nicht mehr. Schamanen spüren es in der nicht-alltäglichen Wirklichkeit auf, holen es zurück und blasen es in das ent­sprechende Chakra ein, um die Verbindung zur Vitalkraft zu stären, bzw. wieder herzustellen. Damit das Krafttier beim Patienten bleibt, ist dessen Mitarbeit nötig.

Krafttiertanz   »Tanz«bewegungen zum gleichzeitigen rhythmischen Rasseln. Das Krafttier / Familiar wird gerufen; es soll sich im Tanzenden inkorporieren um dem Tanzenden seine Kraft neu zu überbringen. Gleichzeitig wird das Krafttier damit geehrt.

 

Kristall   ➞ Steine

 

Luzides Träumen   Wird auch als Klartraum bezeichnet. Der/Die Träumende ist sich des Träumens bewusst und kann in diesem Traum bewusst handeln und den Traum damit verändern. Das luzide Träumen kann gewollt herbeigeführt werden. Tatsächlich ist es möglich, innerhalb des Traums Heilungsprozesse bewusst anzustoßen.

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Magie   (Magier; pers.: »Sterndeuter, Weiser«) Physikalisch (noch) nicht erklärbare Phänomene, die sich aus bestimmten gewollt her­beigeführten psychisch-geistigen Praktiken ergeben, werden umgangssprachlich »magisch« genannt. Magie wird damit als das Zusammenhalten und gezielte Einsetzen geistiger Kräfte beschrieben. Im spirituellen Kontext zählen dazu "Ritualmagie und Zere­monialmagie, Naturmagie, Schutzmagie, Gegenzauber, Sigillenmagie, Neoschamanismus, Planetenmagie, Mentalmagie, die Arbeit mit Atavismen, Annahme von Gottformen, Invokation und Evokation, Sexualmagie, Astralmagie (Visualisation, Imagination, Astralprojektion und Astralreisen), Wahrsagen, Willensschulung und Geistesschulung durch Mentaltechniken, Tranceschulung, Konzentration, Meditation, Energie- und Atemübungen (Pranayama)" (meint ➞ Wikipedia, Frank Doerry, 7. Mai 2018) Nach dieser Definition würden schamanische Praktiken auch als als magisch gelten.

Schamanen auf der ganzen Welt sehen allerdings aus ihrem vielfachen Erleben heraus die nicht-alltägliche Wirklichkeit als genauso real an wie die Welt die wir wahrnehmen. Unterschieden wird allgemein zwischen der weißen, heilenden, segen- und nutzbringenden Magie und der schwarzen, bewusst schadenbringenden Magie. Auch bei allseits bekannten Phänomenen, so z. B. bei den Placebo- und Nocebo-Effekten, zeigen sich Hinweise auf ein magisches, weil (noch) nicht erklärbares Geschehen. Die Frage, was ist Magie, beantwortet H. Kalweit mit: "Es gibt keine Magie, nur die Natürlichkeit des Lebens! Höchste Magie ist höchste Identifikation, Zusammengehörigkeit mit allen uns umgebenden Leben!"

Medizin   gemeint ist nicht das, was wir in der Apotheke kaufen können. »Medizin« sind jene Gegenstände, auch Erinnerungsstücke, die Schamanen und Medizinleuten bei Heilungen geholfen haben. Sie gelten als ➞ Kraftobjekte; werden gebraucht, um während einer heilerischen Tätigkeit behilflich zu sein.

Medizinkreis   Der Medizinkreis ist eine symbolisierte Darstellung der in der Welt wirkenden Kräfte. Vollständig ausgelegt besteht er aus einem Kreuz in der Mitte, dass nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet und von einem Kreis umgeben ist. Die zwei Achsen des Kreuzes stehen für das archetypisch Männliche, für Ausrichtung auf ein Ziel hin, für Ordnung, aber auch für Trennung und Unterteilung. Der Kreis symbolisiert das archetypisch Weibliche, das Unendliche, das Wiederkehrende; er umfasst, umschließt und bildet einen Schutz: steht also auch für Geborgenheit.

Der Medizinkreis ist nicht nur ein symbolisches Zeichen, in ihm können wir die verschiedensten Kräfte anrufen, sie herbei bitten und ihrer Gegenwart gewahr werden. Wenn wir den Medizinkreis rituell geschlossen haben, befinden wir uns in einem heiligen Raum, einer Pforte, die unsere Welt zu der nicht-alltäglichen öffnet. Es entsteht ein Ort der Verbindung, der Heilung und der Weisheit. Jeder Himmelsrichtung (auch der Mitte) sind be­son­dere Qualitäten und Kräfte zugeordnet. Während der Kreis in der Praxis tatsächlich vollständig ausgelegt werden muss, braucht das Kreuz nur angedeutet zu werden. Der Medizinkreis entspricht nicht dem Medizinrad, das eine andere Zielrichtung hat.

Medizinrad   Am bekanntesten ist in Europa das indianische Medizinrad nach ➞ Sun Bear (Wikipedia, Wikkipäde, 10. März 2017) mit 36 Positionen. Es gibt aber auch stark vereinfachte europäische Darstellungsformen mit weniger Positionen. Jede der Positionen hat eine bestimmte feste Bedeutung, wie Vertrauen, Wachstum, etc. So kann jede einzelne Position des Medizinrades z. B. durch eine Tarotkarte auf dem Tisch ausgelegt und das Gesamtbild anschließend interpretiert werden: Was hat mir jede Karte auf dieser Position auf meine Frage hin zu sagen? (Sicherlich nur eine Sache für dafür begabte und erfahrene Personen.) Für das indianische Medizinrad siehe weiteres in: ➞ Medizinrad und Mandala. Der Kreis als Symbol in der Weltanschauung der Native Americans der Great Plains und in der Typenlehre C. G. Jungs.

Ist ein Medizinrad im Freien durch Steine ausgelegt, besteht eine Möglichkeit, ausgehend vom eigenen Problem, die dazu passende Position einzunehmen. Anschließend wird das Medizinrad in bestimmter Weise – meist zur Mitte hin – durchschritten, man achtet dabei darauf, was man beim Betreten jeder einzelnen Position empfindet, was sie einem »sagt«.

Mittlere Welt   Die Welt in der wir leben, die wir kennen und meinen zu beherrschen. Sie umfasst nicht nur unseren Globus, sondern das ganze, sichtbare Universum. Dazu hat diese mittlere Welt auch eine zweite, normal nicht sichtbare Seite: die Welt der Naturgeister.

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NTE: Nahtoderlebnis   In ihm schildern Personen, die in extrem lebensbedrohlichen Lagen waren, weit­gehend über­ein­stimmende Erlebnisse außerhalb ihres Körpers wie Tunnel-, Licht- und Jenseitserlebnisse. Wissenschaftlich werden sie auf bestimmte chemische Reaktionen, Sauerstoffmangel und Halluzinationen zurückgeführt — zudem sollen sie auch bei Meditation und Epilepsie auftreten. Tatsächlich ähneln sie in mancher Hinsicht dem Erleben während einer ➞ schama­nischen Reise. Definitiv hat der / die Betreffende bei einem NTE aber keine Kontrolle über das Geschehen. Die bisherigen wis­sen­schaftlichen Erklärungen versagen bei den NTEs, bei denen die Betroffenen von realen Geschehen und Situationen weit außerhalb ihres sinnlichen Wahrnehmungsbereichs, z. B. aus Nachbarräumen, anderen Stadtteilen etc. berichten. Schamanisch gesehen ist das nichts Neues. Die Seele hat halt diese Möglichkeiten...

Nicht-alltägliche Wirklichkeit   Sie umschließt alle den natürlichen menschlichen Sinnen und Instrumenten nicht zugänglichen Bereiche wie das Reich der Naturgeister, hauptsächlich aber die ➞ un­tere und die ➞ obe­re Welt.

 

Obere Welt   In der kosmologischen »Landkarte«, dem ➞ Weltbild des Schamanismus, bildet sie die obere Sphäre / Erfahrungswelt der nicht-all­täg­lichen Wirklichkeit. Der Name rührt daher, dass man den Eindruck hat, zum Betreten dieser Welt nach oben steigen zu müssen. Das, was wir von ihr »sehen«, ist metaphorisch aufzufassen. Sie gilt als der Bereich der Engel und ➞ Götter und anderer, »höherer« Wesen, vielfach auch der der Ahnen. Wie die ➞ untere Welt auch, unterteilten unsere europäischen Vorfahren diese obere Welt in verschiedene Bereiche. Die obere Welt ist gänzlich anders als die untere – das Aufsteigen in diese Welt wird anfangs durch eine Art Widerstand behindert, der erst überwunden werden muss. Je höher man in dieser Welt steigt, desto lichter wird sie, Landschaft, Gebäude, Pflanzen aber auch Lebewesen entfernen sich in ihrem Aussehen immer mehr irdischen Gewohnheiten. Kristallene Gebäude, schöne, aber für uns Menschen undefinierbare Objekte werden sichtbar, bis sie mehr und mehr in einem unglaublichen Licht zerfließen und am Ende nur noch dieses Licht übrig bleibt.

Omen   »Vorzeichen, Vogelschau«. Hier als Botschaft aus der nicht-alltäglichen Wirklichkeit verstanden, hauptsächlich übermittelt durch ein auffälliges Zeichen in der Natur. Das Erkennen von Omen wird als ➞ Divi­nation bezeichnet.

 

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Polarität   ➞ Weltbild

Psychoaktive Pflanzen   werden auch Entheogene (»Gott bewirkt«) genannt. Sie verändern Psyche und Bewusst­seinszustand auf chemischem Wege und er­zeugen damit spirituelle / psychedelische Erfahrungen (keine ➞ Trance!). Erfahrungen, die oft als All-Einheit beschrieben werden, aber auch Einsichten und Erlebnisse in andere Welten ermöglichen. Beispiele für Entheogene sind vielfältig und auf der ganzen Welt vorhanden: Ayahuasca, psychoaktive Pilze, Haschisch, Bilsenkraut, Engelstrompeten, Fliegenpilz, Alraune, Stechapfel, Tollkirsche u. v. a. m. Entheogene bewirken eine direktere, stärkere Erfahrung (psychedelischen Rauschzustand) als die mit anderen Hilfsmittel wie Trommel etc erfolgte ➞ Trance. Die Art der Erfahrung kann sich mit dem eingenommenen Entheogen ändern.
Hinweis: Ohne den nötigen kulturellen Hintergrund zu haben, ohne professionelle und erfahrene Anleitung, Begleitung und Zubereitung und ohne genau zu wissen, woher die Stoffe kommen und was tatsächlich drin ist (Reinheitsgrad!), sollte jeder Versuch, Entheogene zu benutzen, unterlassen werden. Sie können bei unwissender Benutzung sehr gefährlich werden und in ihr Gegenteil umschlagen! Zudem sind sie in Deutschland zumeist verboten. Und: Nicht alle Menschen vertragen sie.

Psychopompo   »Seelenbegleiter« können den Sterbenden Angst vor dem Sterben abmildern / nehmen und ihnen helfen, über die Schwelle des Todes in die jenseitigen Bereiche zu gehen. Ebenso führen Seelenbegleiter noch ans irdische Dasein gebundene Seelen in die jenseitigen Bereiche — wenn sie darum gebeten werden. Die Hilfestellung und das Geleit in die von der Seele noch unerwarteten und unbekannten Welt kann nur jemand geben, der diese andere Welt gleichermaßen in einer bewussten ➞ Trance betreten und sich dort frei bewegen kann.

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Räuchern   erfolgt aus vielfachen Gründen. Es gehört zu den ältesten rituellen Praktiken der Menschheit. Man versetzte sich damit in ➞ Trance, um andere Wirklichkeiten zu besuchen (Räucherreise), inhalierte den Rauch, um in ➞ Ekstase zu verfallen und räucherte, um mit den Göttern in Kontakt zu kommen. Andere beschworen mit dem Rauch bestimmter Kräuter die Dämonen, man weihte und reinigte damit Bauwerke wie Menschen und umräucherte Kranke um sie genesen zu lassen oder vertrieb damit üble Gerüche. Aromatische und berauschende Kräuter und Harze wurden als heilig angesehen und waren kostbar. Auch die Feste im Jahreskreis wurden mit jeweils mit dem Rauch bestimmter Kräuter begangen. Im Grunde ist dies bis heute so geblieben.

Ritual   Ein Ritual dient meist dazu, spirituelle Kräfte zum eigenen Nutzen herbei zu rufen oder eigene Kräfte zu aktivieren; also geistige Prozesse in Gang zu setzen. Der Ablauf eines Rituals ist, im Gegensatz zu einer Zeremonie, zumeist wenig fest­gelegt, er kann dem Anlass und den Gegebenheiten gemäß angepasst werden. Rituale gibt es z. B. zur Sonnenwende, als Einweihungs-, Übergangs-, Reinigungs- oder als Heilritual. Bei Ausführung und Ablauf eines Rituals kann es zum Einsatz dafür vorgesehener ➞ Kraft­objekte kommen, um ein festgelegtes Ziel zu erreichen oder Festen einen heiligenden und ehrenden Rahmen zu geben.

Rituelle Körperhaltungen   Der von Felicita D. Goodman wieder­entdeckte Weg, Kontakt zu den anderen Welten auf­zunehmen. Höhlenbilder und steinzeitliche Figuren lassen darauf schließen, dass sie schon in der Steinzeit bekannt waren. Bestimmte rituelle Körperhaltungen — heute sind über 80 bekannt — bewirken, in der Begleitung von Rassel, Trommel, Obertongesang etc., dass sich das Tor zu Reisen in die anderen Welten öffnen kann. Je nach Körperhaltung haben solche schamanischen Reisen einen jeweils eigenen, besonderen Erfahrungs­schwerpunkt. In Deutschland sind sie besonders durch die Arbeiten von Nana Nauwald bekannt geworden.

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Schamanische Reise   ist absichtsvoll herbeigeführte ➞ Ekstase. Sie ist der Weg zur »unmittelbaren Erfahrung«, bei indigenen Völkern oft herbeigeführt durch ➞ Entheogene. Andere Möglichkeiten bieten monotone Rhythmen (Trommel, Rassel), aber auch Obertongesang, bestimmte Musik, Tanz, holotropes Atmen, ➞ rituelle Körperhaltungen (auch best. Yoga), extremes Räuchern oder Konzentration auf besondere Gegenstände. "Der gezielte Gebrauch von Rhythmus und Bewegung zur Erzeugung einer ➞ Trance oder veränderter Bewusstseins­zustände ist eine vermutlich sehr alte Technik, die in vielen Kulturen kultiviert wurde und wird." (Ch. Rätsch) Benutzt wird zumeist eine Kombination von zumindest zwei verschiedenen Methoden.
Ohne Unterstützung psychoaktiver Stoffe wird die Zirbeldrüse durch körpereigene Drogen (z.B. DMT) stimmuliert, die spirituell als »3. Auge« bezeichnet wird. Außerdem wird der körpereigene MAO-Hemmer Pinolin gestärkt, womit mehr Neurotransmitter für eine Signalübertragung zur Verfügung stehen. Entheogene (Peyote, Ayahuasca et. al.) führen dem Körper pflanzeneigene Drogen und MAO-Hemmer zu. Neben der verwendeten Trancemethode ist sowohl das »Set«, als auch das »Setting« bedeutsam. Das »Set« (Mindset) ist nichts anderes als die Befindlichkeit, die mentale Verfassung und Absicht(!) des Agierenden. Das »Setting« umschließt die Umgebung, in der das Ritual stattfindet. Alle drei Faktoren müssen zusammen­passen!

Eingebunden in ein Ritual, ent­spannt und erdet man sich, baut einen heiligen Raum, einen Schutzkreis, um sich herum auf und bittet um Beistand zu dem anstehenden Geschehen. Dann konzentriert man sich auf die vorher bewusst artikulierte Absicht (wichtig), weswegen die »Reise« unter­nommen wird und gleitet nach einiger Zeit in eine (zumeist leichte) ➞ Trance.

Die Art und Weise der dabei gemachten Er­fahrungen kann von Mensch zu Mensch und je nach einge­setzter Methode zur Erlangung der ➞ Trance unter­schiedlich sein. Es zeigen sich z. B. metaphorische Bilder und Sequenzen (u.a. in der Darstellung der anderen Welt), die einen Weg zu Pro­blemlösung aufzeigen. Oder die Bilder zeigen Abläufe realer, tatsächlicher Geschehen oder reale Objekte. Im Kern ist der Sinn der erweckten Bilder aber ähnlich. Die Aufgabe der schamanisch Tätigen ist hauptsächlich eine ergebnis­orientierte Kommunikation mit der anderen Welt, um Informationen und Ratschläge zu übermitteln bzw. anzuwenden.

In der nicht-alltäglichen Wirklichkeit werden die Reisenden oft schon erwartet. Manche zieht schon zu Anfang eine Kraft in die ➞ obere oder ➞ untere Welt – wo sie durch einen helfenden Geist empfangen werden. Manchmal belässt sie die Kraft da, wo sie sind und die Reisenden suchen ihren ➞ Kraft­platz auf, wo ihnen zumeist ihr Familiar (➞ Kraft­tier) begegnet, das sie berät oder weiter führt.

Eine besondere Spielart ist die Seelenreise, bei der tatsächlich ein Teil der Seele den Körper verlässt und andere Orte aufsuchen kann. Für eine Rückkehr dieses Seelenteils sollte aber immer gesorgt werden.

Schamanismus   ist keine Religion, kennt keine Dogmen, keine Priester oder eine wie auch immer geartete religiöse Kaste. Weil es keine Dogmen und keine Lehre kennt, wird es von einigen lieber als Schamanentum bezeichnet. Schamanisch Tätige sind Mitglieder in allen bekannten Religionen und Kulten bis hin zum Neopaganismus und Neuheidentum, zum Teil sind sie sogar Atheisten. Auch eine Hierarchie ist nicht vorhanden – es gibt keine Unter- oder Oberschamanen, keine Führer. Was es aber gibt, ist, dass aufgrund besonderer Fähigkeiten Einzelne ein besonderes Ansehen genießen. Schamanen, Goden, Völvas etc. sind lediglich Leiter von Ritualen. Wiewohl es keine Religion ist, sondern eine Art der Naturwahrnehmung, herrscht doch ein bestimmtes ➞ Welt­bild vor.

Der Schamanismus ist nicht nur eine besondere Sehensweise auf diese Welt, er bewirkt durch das vielfältige spirituelle Erleben zumeist auch eine andere Lebensweise und u. U. auch einen Kultus. Er beantwortet viele unserer Fragen, z. B. der Sehnsucht nach Geborgenheit im Angesicht der in der Natur wirkenden Kräfte und dem verantwortungs­vollen Umgang mit den Gaben und Möglichkeiten dieser Erde. Er ist gekennzeichnet durch Techniken und Rituale zur Heilung und allgemeiner Problemlösung mittels wesenhafter, geistiger Kräfte. Mit Esoterik hat er ➞ nichts zu tun.

Im hiesigen westlichen propagierten Schamanismus ist es nicht angesagt, die indigenen Schamanen im Aussehen, im Gebrauch ihrer entheogenen Pflanzen und in ihren Techniken zu kopieren! Dies wird von ihnen oft als Diebstahl empfunden. Indigene Schama­nen geben uns aber gerne Hinweise und Anstöße für unsere heimische schamanische Arbeit und fordern uns immer wieder auf, uns unserer eigenen Wurzeln bewusst zu werden und unsere eigenen Wege zu finden. In Europa haben sich an einigen wenigen abgelegenen Stellen Reste des einstigen hiesigen Schama­nismus bis heute erhalten, z. B. bei den Sami oder in Deutschland z. B. in Form der »Lachner«. Schamanismus ist sehr naturverbunden, die Bewahrung der Natur daher ein wichtiges Anliegen. Hinweis: Nicht alle Schamanen arbeiten zum Wohle der Menschen, ein kleiner Teil hat sich entschieden, schwarze ➞ Magie zu praktizieren.

Schwitzhütte   Sie existiert in verschiedenen Formen und Größen, ist bei vielen Völkern der nördlichen Erdhalbkugel verbreitet und dient sowohl der Vorbereitung von Zeremonien, der Reinigung, der innerlichen Neuwerdung sowie der Gesunderhaltung und zur Heilung bei Erkrankungen. Sie kann aus den unter­schied­lichsten Materialien bestehen; meist werden biegsame Holzstäben verwendet, die nach kulturell abhängigen Regeln zusammen­gebunden werden. In der Mitte der Hütte ist eine Vertiefung für die Steine, die die Hütte aufheizen. Die Öffnung weist zum Altar und zur Feuerstelle, die in einer Linie liegen. Die Hütte wird mit Decken etc. abgedeckt, in ihr herrscht Dunkelheit.

Zur Schwitzhütte gehört das Schwitzhüttenritual: je nach Tradition gehört dazu das Sammeln der biegsamen Holzstäbe, aus denen die Hütte nach einer vorbestimmten Methode gebaut wird. Die Steine werden am Feuerplatz erhitzt, Schmuck und Opfergaben auf den Altar gelegt. Nach einer rituellen Reinigung der Teilnehmer erfolgt die Einladung der Ahnen und Geister, die zum Erfolg der Schwitzhütten­zeremonie beitragen sollen. Die Teilnehmer legen die Kleider ab und begeben sich in die Hütte. Ein »Zeremonienmeister« ist für den Unterhalt des Feuers und das Einbringen der heißen Steine, die Aufgüsse und einen störungsfreien Verlauf zuständig. Haben die Teilnehmer die Hütte betreten sollen sie sie normalerweise bis zum Ende der (meist) vier Runden nicht mehr verlassen. Jede der vier Runden ist jeweils einem anderen Thema gewidmet. Die Schwitzhütte symbolisiert den »Bauch von Mutter Erde«, der Mensch in der Hütte wird durch die Hitze körperlich gereinigt und erfährt durch die herbeigerufenen Geister in der Dunkelheit wie ein unge­borenes Kind eine innere Erneuerung und Neuschöpfung. Eine komplette Schwitzhüttenzeremonie dauert mehrere Stunden.

Seele   "Im heutigen Sprachgebrauch ist oft die Gesamtheit aller Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge beim Menschen gemeint. In diesem Sinne ist „Seele“ weitgehend gleich­bedeutend mit dem Begriff Psyche. „Seele“ kann aber auch ein Prinzip bezeichnen, von dem angenommen wird, dass es diesen Regungen und Vorgängen zugrunde liegt, sie ordnet und auch körperliche Vorgänge herbeiführt oder beeinflusst." Soweit ➞ Wiki­pedia, Horst Gräbner, 2. Mai 2018 . Wissenschaftlich wird die Existenz einer Seele abgestritten. Schamanisch gesehen ist sie der individuelle Wesenskern einer jeden lebendigen Kreatur. ➞ Gott, die Kraft, hat im irdischen Körper seine Energie zu einer Seele verdichtet, die je nach Kreatur durchaus unterschiedlich ist. Die Seele einer Mücke wird sich also von der eines Fisches und diese von der eines Menschen unterscheiden. Sie ist auch nicht einfach die Zusammenballung von Energie, sondern setzt sich – wie jeder Körper auch – aus verschieden »Teilen« zusammen. So haben auch einzelne Organe ihre Seele. Dies mag ein Hinweis auf manche unerklärlichen Vorkommnisse nach Organ­trans­plantationen sein. Verlässt die Seele den Körper für längere Zeit oder endgültig, tritt der ➞ Tod des Körpers ein.
In einigen Kulturen werden drei Seelen pro Mensch gesehen: a) die eigene Seele b) Anteile von Seelen, die um ihn herum sind c) die Lebens- und Totenseele. Nach: Rätsch/Ebeling: Schamanismus und Tantra in Nepal: 32

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Seelenverlust – Seelenrückholung   Die Seele wird nicht als ein­heit­liches »Stück« Energie angesehen, sondern, ähnlich einem irdischen Körper, als aus einer Vielzahl energetischer Felder gebildet. Nun kann es in extremen Situationen passieren, dass einzelne Felder / Teile der Seele die auftretende Spannung nicht mehr aushalten und fliehen. Bei spirituellen Angriffen können sogar Teile der Seele regelrecht gestohlen werden. Da die Seele von diesem Moment an nicht mehr komplett, sozusagen amputiert ist, macht sich das im Befinden des Menschen bemerkbar – manchmal sogar körperlich. Während einer schama­nischen Behandlung / Begleitung kommt es nun erstmal darauf an, diesen Seelenverlust festzustellen.

Des weiteren ist es nun die Aufgabe des Schamanen, diesen Teil der Seele in der nicht-alltäglichen Wirklichkeit zu suchen. Dabei lässt sich der Schamane von seinem Krafttier und, wenn nötig, auch von weiteren helfenden Geistern leiten. Wird der Seelenanteil gefunden, muss er oft regelrecht überredet werden mitzukommen um in seinen noch existierenden Seelenkörper zurückzukehren. Je länger ein Seelenverlust schon besteht, desto schwieriger wird dies. Bei Seelendiebstahl muss der Seelenanteil dazu noch aus zumeist sehr un­freund­lichen, z. T. sogar gefährlichen Umständen heraus geholt werden. Auch das geht nicht ohne die Mithilfe anderer freund­licher Geistwesen. Der zurück gebrachte Seelenanteil wird dann in das entsprechende Chakra eingeblasen und versiegelt.

Seiđ   (oder Seiđr): magische Tat. Seiđ ist bei den nordgermanischen Völkern eine besondere Art der ➞ schama­nischen Reise gewesen, die heute in Nordamerika, Nordeuropa und teilweise auch in Deutschland wieder praktiziert wird. Es wird zum Heilen, Wahrsagen und zur Beeinflussung des »Wyrd« (das allgemeine Geschick oder Schicksal) benutzt und beinhaltet, das Leben mit Mut und Freude anzunehmen. Seiđ-Magier sind mehrheitlich Heiden, eine Seiđ-Sitzung ist ganz von germanischer Mythologie durch­drungen. Die Reisende, eine »Spae-Frau« (es sind meist Frauen, weniger Männer darunter) sitzt auf einem erhöhten Stuhl. Um sie / ihn herum versammeln sich die Frage- und Hilfe­suchenden. »Spae« bedeutet »eine, die sieht, was kommen wird«. Sie erhält einen Stab in die Hand, ihr Kopf wird mit einen dunklen Tuch verhüllt. Aus der Gruppe ruft dann ein Seiđ-Magier(in) die vier Zwerge aus den vier Himmels­richtungen um ihren Schutz an: Norđri, Suđri, Austri und Vestri. Sie sollen für Inspiration und Hilfe sorgen und die Götter segnen, die das Ritual tragen, nämlich Freyja und Ođin. Sodann werden die Schutztiere der Seherin um Beistand gebeten. Anschließend beginnen die Seiđ-Magier zu trommeln, oder ein Gesangskreis stimmt einen Gesang an.

Unter diesem Einfluss setzt bei der Spae-Frau eine ➞ Trance ein. Sie begibt sich z. B. in das Reich der »Hel« (Frau Holle) in die ➞ untere Welt. Hel ist nach germanischer Mythologie die Herr­scherin der unteren Welt. Dort tritt die Seherin an die Wurzel Ygg­dra­sils, des Weltenbaums (siehe ➞ Weltbild). Dort, wo der Brunnen, in dem Wissen und Weisheit verborgen sind, sitzen die drei Nornen, die aus dem Ørlog, dem Ur-Gesetz und den Handlungen der Menschen deren Schicksal zusammen­fügen. Trommeln oder Gesangs­kreis fahren derweil fort, um der Seherin Zugang zu einem sonst verborgenen Wissen zu ermöglichen. Während ihres Aufenthalts in der anderen Welt ist die Seherin durch eine spirituelle, silberne Schnur mit ihrem Körper verbunden. Ihr Stab ist ihre Stütze beim weiteren Gang durch die unendliche Weite Hels und der anderen Welten, wo sie weitere Wesenheiten treffen und befragen kann.

Währenddessen wird die ➞ Trance der Spae-Frau allen An­wesen­den ersichtlich, sie beginnt u. U. zu schwanken. Nun tritt eine(r) der Fragenden nach dem anderen vor die Seherin und stellt seine / ihre Frage. Die Seherin gibt sie weiter und erhält von den dortigen Wesenheiten die Antwort – manchmal direkt, manchmal metaphorisch. Je nach Anzahl der Fragenden kann eine solche Sitzung mehrere Stunden dauern, die Spae-Frau ist danach meist erschöpft, muss manchmal sogar zwischendurch abgelöst werden.

Spiritualität   »Geistigkeit« – auf Geistiges ausgerichtete Lebens­haltung, also die bewusste Hinwendung und das aktive Praktizieren einer als richtig erkannten religiösen Erfahrung, einer Mythologie, einer übersinnlichen Erfahrung oder Phi­losophie. Eine naturnahe spirituelle Lebensführung strebt nach Harmonie mit den Kräften des Universums und der Erde. Unter spirituellen Kräften werden die im Alltag zwar wirkenden, aber mit den fünf Sinnen kaum wahrnehmbaren Kräfte der nicht-alltäglichen Wirklichkeit verstanden.

Steine   Der Bergkristall (ähnlich der ihm verwandte Amethyst) ist der Stein der Schamanen schlechthin. Er dient der Kraftspeicherung und Kraftübertragung und repräsentiert eine ver­borgene Ordnung, "die sich in der Gesamtheit nur dem schamanisch Praktizierenden offenbart" (Martin Scheppe). Der Bergkristall steht für Erleuchtung und das kosmische Bewusstsein. Er steht auch als Symbol der Schöpfung, kann hellsichtig machen, auch ➞ Hei­lung bewirken.
Ein anderer wichtiger Stein (genauer: Versteinerung, Fossil) der Schamanen ist der Ammonit, er steht allgemein für Entfaltung und Erweiterung des Bewusstseins und wird auch als Schutz­stein verwandt. Die spiralförmigen Ammoniten ähneln oft zusammen gerollten Schlangen, weswegen sie auch Schlangen­steine oder auch Drachensteine genannt werden oder gelten als Zeichen des »unvorstellbaren und unaus­sprechlichen Mysteriums« bzw. gelten als Urbilder des Universums.
Die fünfstrahligen versteinerten Seeigel, Drudensteine oder Drudenfüße genannt, galten im Mittelalter und späterhin als Schutzsteine fürs Haus und wurden als »Grum­melsteine« zur Erleichterung unter das Bett Gebärender gelegt. Der englische Ausdruck »witch stone« ist noch im ➞ Wicca gebräuchlich, wo diese Fossilien als Altarschmuck und für Beschwörungen verwandt werden.
Die versteinerten Seeigel, die strahlenförmig angeordnete kleine Buckel haben, werden Schlangensteine oder Schlangen­eier genannt. Sie galten als Zauber- und Heilsteine der Druiden und wurden später beim Volk als Schutzsteine angesehen.
Die fossilen Belemniten oder Donnerkeile gelten als »Blitz­steine«, Geschosse der Donner- und Blitzgötter. Sie dienten im Volksglauben als Schutz vor Verhexung und Erkrankungen. Donnerkeile sind auch Steine zum ➞ Be­sprechen, z. B. bei Warzen. Ein weiteres Fossil sind die Nat­ternsteine (Dra­chenzähne), die Zähne von urzeitlichen Haien, die schon seit gut 30.000 Jahren zu magischen Zwecken (z. B. Amulette) verwandt wurden, sie wehren den bösen Blick und Feinde ab.
Seltener werden eisenhaltige Meteoriten als Schutzsteine verwendet.

Symbole   sind mehr als Zeichen. Zeichen sind mit Hilfe der Ratio entwickelte Kennungen, die man verstandesmäßig erfassen und lernen kann (Buchstaben etc.). Symbole können zwar auch verstandesmäßig interpretiert werden, sie sind aber mehr und gehen in ihrer Bedeutung tiefer. Sie sind auch nicht wie Zeichen austauschbar, sondern haben ihren Ursprung im kollektiven Unbewussten des Menschen (C. G. Jung). Sie werden intuitiv empfangen und wirken auf das Unbewusste, auf Seele und Geist – sie haben ihre Wirkung also auch dann, wenn sie nicht verstanden werden.

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Trance   "von lateinisch transire „hinübergehen, überschreiten“ ist eine Sammelbezeichnung für veränderte Bewusst­seinszustände mit einem intensiven mentalen Erleben." Und weiter: "Die Ethnologie belegt, dass Trancen, die als spirituell, rituell oder ekstatisch bezeichnet werden, in 90 Prozent aller menschlichen Kulturen zum religiösen oder therapeutischen Repertoire gehören." erklärt ➞ Wikipedia. Trance eröffnet den Zugang zur Wahrnehmung anderer, innerer und äußerer Wirklichkeiten. Der, vor allem unter westlichem Einfluss, vollzogene Akkulturationsprozess verdrängt leider oft die Möglichkeit, sich in Trance zu begeben. Wissen, Rationalität, Glaube und Selbstkontrolle beeinträchtigen zunehmend die Möglichkeit, das Tor zur Trance zu durchschreiten. Selbst dann, wenn man es will. Erhält und übt man allerdings die Fähigkeit in Trance fallen zu können, kann man diese bewusst steuern – ja, in ihr regelrecht navigieren.
So wird i. d. R. ein erweiterter ➞ Bewusst­seinszustand erreicht. Das Bewusstsein verläßt die Wahrnehmung der alltäglichen Wirklichkeit und jenseitige Bereiche werden zugänglich. Man gibt sich selbst den Weg in eine andere Welt frei, das Denkvermögen ist aber nicht be­einträchtigt. Wichtig ist, dass man bei der Reise möglichst unbeeinflusst von eigenen Vorstellungen und Meinungen bleibt. Intensiver und direkter sind die Tranceerlebnisse bei der Anwendung ➞ psychoaktiver Stoffe (Pilze u.a.) Durch sie wird viel tiefer ins Gehirn eingegriffen. In ihnen zu steuern, verlangt viel Übung.

Tod   Genauer: der biologische/physische Tod. Oder: das große Loslassen und gleichzeitig der große Übergang. Er kommt oft gewalttätig, grausam, rücksichtslos und unverhofft. Aber auch schleichend, manchmal sanft und (seltener) erwartet und erlösend. Er kann aufwühlend wie friedlich sein. So mancher möchte ihm aus­weichen, aber es geht nicht. Und doch, was wäre, wenn es ihn in einer end­lichen Welt nicht gäbe? Der Tod ist ein Kunstgriff der Natur, viel Leben zu erzeugen. Er ist zwar der größte Übergang im Leben eines Menschen und der, vor dem (fast) alle Angst haben, aber er ist nicht das Ende. Denn das Leben beginnt weit vor der Geburt, auch vor der Zeugung. Es ist das »große Leben« (Norbert J. Mayer) außerhalb der Zeitlichkeit, das durch die Geburt ins »kleine Leben« hier auf Erden eintritt. Und es gilt, dieses »große Leben« in das »kleine Leben« ein­zubringen, damit die eigentliche Lebensaufgabe wahr­ge­nommen werden und wirken kann, um das »große Leben« weiter zu entwickeln.
Einige Philosophen und Schriftsteller bemerken eine Ähnlichkeit zwischen Tode und Liebe: Denn die Liebe sei ja auch nichts anderes als das Überschreiten der Grenze des Selbst zum Anderen hin und der Tod führe uns nunmal in nichts anderes als in eine neue, unbekannte Wirklichkeit, jenseits der Konstruk­tionen von »Mir« und »Mein«. Was auch eine »Art von Tod« sei.

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Untere Welt   Die untere Sphäre / Erfahrungswelt der schamanischen Kosmologie gleicht weitgehend der irdischen Welt, wie wir sie kennen. Der Name rührt daher, dass man sich zum Betreten nach unten bewegen muss (Treppe, Höhle, usw.) Das, was wir von ihr »sehen«, ist metaphorisch aufzufassen. Auch sie ist hell, nur nicht ganz so strahlend wie die ➞ obere Welt. Auffallend in diesen beiden Welten ist, das zwar das Licht da ist, aber keine Sonne zu sehen ist. Wälder, Landschaften, Gebäude, Lebewesen, alles sieht in der unteren Welt (zunächst) sehr irdisch aus – bis auf die Mischwesen, die wir hier auf Erden nicht kennen. Wer tiefer in diese untere Welt hinabsteigt, stellt fest, dass das Licht von Bereich zu Bereich abnimmt und die Bereiche dunkler werden, bis sich vor einem schließlich eine undurchdringliche Finsternis ausbreitet.

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Verbündete   sind unsere ➞ Krafttiere (Familiare), unsere ➞ Ahnen, die uns wohlgesonnen Lehrer und helfenden ➞ Geister. Also allesamt Kräfte aus der ➞ nicht-all­täg­lichen Wirk­lichkeit.

Verschmelzung   Die Verschmelzung ist das freiwillige und gewollt herbeigeführte Eins-Werden mit einer helfenden geistigen Wesenheit. Dies ist keine Besetzung! In diesem Vorgang wird der / die Verschmelzende dadurch bewusst zur Kraft des betreffenden Geistwesens. Dies ist die eigentliche Voraussetzung, die entscheidende Grundlage des heilsamen Handelns. Kurz: Schamane / Schamanin handeln nicht aus eigener Kraft — sie selbst könnten nicht viel ausrichten. Durch die Verschmelzung handelt eine geistige Kraft durch sie. Die so Handelnden suchen ganz bewusst das zu sein, was sie sprechen, das zu sein, was sie tun. Die Grade der Verschmelzung können allerdings unter­schiedlich sein. Ist die nötige Arbeit getan, wird die Ver­schmelzung aufgelöst. Eine ähnliche Darstellung dieses Vorgangs finden wir im Bild des »hohlen Knochens«. Das Ich von Schamane / Schamanin tritt so weit zurück, dass sie nur noch äußeres »Gerippe« sind, die geistigen Kräfte können frei durch sie fließen.

Vision   Menschen können gewollt wie ungewollt in den erweiterten Bewusstseinszustand hinein gleiten und dort Erfah­rungen machen. Bei echten Visionen (also keine Tagträume oder ähnliches) geschieht dies in der Regel ungewollt und unvor­bereitet. Geschieht die Vision nachts im Traum, ist dieser sehr klar und deutlich und man kann sich am anderen Morgen an alle Einzelheiten erinnern. Visionen haben immer etwas zu sagen, sie haben eine Botschaft, auch wenn man diese erst später versteht. Auffallend ist, dass sich der Inhalt der Visionen verschiedener Menschen oft deckt, auch wenn verschiedene kulturelle Hintergründe andere Bilder erzeugen. Die Grenzen zwischen einer ➞ schama­nischen Reise und einer Vision sind fließend.

Visionen können sehr eindrucksvoll sein, sowohl optisch, als auch akustisch. Geschieht eine solche Vision tagsüber, behält man meist keine Kontrolle mehr über seinen Willen, die be­treffende Person wird »geführt«. Visionen sind keine Phan­tasien; die Unterschiede sind für den, der schon mal eine Vision hatte, klar erkennbar. "Visionen entspringen einem universellen Repertoire von Bildern und Erfah­rungen. Dennoch prägen der jeweilige Ort und die dadurch stimulierte Erwar­tungshaltung die Gesichte und überlagern die Herkunft der Visionen auslösenden Stimulantia." (C. Müller-Ebeling; Ahnen, Geister und Schamanen)

Visionssuche   engl. »vision quest«  Viele indigene Völker schicken ihre heranwachsenden Jugendlichen (vor allem die Männer) zum Übergang in das Erwachsenenalter zu einer Visionssuche. Dort sollen sie ihre spirituelle Lebensaufgabe, ihren geistigen Ver­bündeten und ihren Namen erfahren. Dies geschieht in der Regel alleine in aller Abgeschiedenheit, fast immer in der Wildnis und ist für den Heranwachsenden mit erheblichen Ein­schrän­kungen, sogar Gefahren, ver­bunden. Es ist für sie also ein Über­gangsritual in einen neuen Lebensabschnitt. Einige indigene Schamanen nehmen nur Schüler an, wenn diese eine Visions­suche hinter sich gebracht haben.

Heute ist es in westlichen Gesellschaften keine Seltenheit mehr, wenn Erwachsene zu einer Visions­suche auf­brechen, die meist von professionellen Anbietern im Ausland ausgerichtet werden. Erwachsene suchen heute darin nach dem Sinn ihres Lebens, ihrer eigentlichen Lebens­aufgabe und ihrer Bestim­mung, oder die Initiation in ein authentisches Erwachsensein und Kräfte für einen Neuanfang zu gewinnen. Im Grunde geht es für die Meisten darum, im Ange­sicht der wilden Natur fast ungeschützt sich selbst und seine eigenen Grenzen kennen zu lernen.

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Weltbild   Im schamanischen Weltbild bilden die drei Erfahrungswelten – die ➞ untere, die ➞ mittlere und die ➞ obere – eine Einheit. Alle diese drei Welten sind bewohnt und beherbergen eine Vielzahl von Wesenheiten, von denen auch die Schamanen alter und neuer Zeit nur die wenigsten zu Gesicht bekommen haben dürften. Nach schamanischer Sicht haben die unsichtbaren Welten einen enormen Einfluss auf unsere irdische Welt, sie gelten als wahr und wirklich, weil das, was dort geschieht, auf uns Wirkung haben (kann). Die mittlere Welt, also unsere, ist zwar die kleinste der Welten (weil sie begrenzt ist), sie ist aber durch eine Besonderheit ge­kenn­zeichnet: hier gibt es das Phänomen Zeit. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine lebendige Kreatur sich verändern kann; nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch und geistig. Das dürfte der Grund sein, warum Seelen versuchen neu zu inkarnieren: sie wollen anders werden, sich höher entwickeln.

Durch die drei Welten zieht sich als zentrales, verbindendes Element die »axis mundi«, die Welten­achse, oft dargestellt im Bild des Weltenbaums. Ein Bild, das sich in vielen Kulturen rund um den Globus findet. Unsere Vorfahren hatten dafür das Bild der Weltenesche (oder Eibe) Yggdrasil. Dieser Weltenbaum symbolisiert die Schöpfung: Gleich wie ein irdischer Baum sich mittels seiner Äste entfaltet, so »spannt« er die verschiedenen Welten auf. Gleichzeitig gilt er als der Lebens­baum; solange er existiert verbindet er die drei Welten. Er reicht von der untersten Stufe der unteren Welt, dort, wo die absolute Finsternis herrscht, bis in den obersten Bereich der oberen Welt, dorthin, wo nur noch das reine, klare Licht ist. Dieses schama­nische Bild einer unendlich großen Schöpfung, von der wir nor­malerweise das Meiste nicht wahrnehmen, erinnert uns daran, dass wir auch in unserem bekannten Uni­versum das Meiste nicht sehen können: Nach gegenwärtig vorherrschender Theorie sind nur rund fünf Prozent aller Materie überhaupt sichtbar. Der Rest ist die so­genannte Dunkle Materie und die Dunkle Energie. Die spiri­tuellen Welten können aber auch als feines, drei­dimensionales »Netz des Lebens« (als Matrix) angesehen werden. Bei den germanischen und nordischen Stämmen waren diese Welten nochmal in neun verschiedene Bereiche unterteilt. Die gleiche Anschauung finden wir auch in Südamerika, z. B. bei den Kogi u. a.

Dieses Weltbild, in dem alles mit allen verbunden ist, ist von Polarität geprägt. In unserem Welt­bild bewerten wir nach nach gut oder böse, richtig oder falsch, groß oder klein usw. Im polaren Weltbild gilt ein Sowohl-als-auch, es bewertet anders: gut und böse, richtig und falsch, groß und klein usw. existieren gleichzeitig und notwendig nebeneinander. Beide Pole gehören unab­dingbar zusammen, erst beide zusammen können das bilden, was wir Welt, Wirk­lichkeit, Universum, nennen. Ein Pol alleine könnte das nicht. Dies unterscheidet sich deutlich vom dualen Weltbild unserer Kultur, die ein Entweder/Oder präferiert und sich wundert, warum bei allem Guten das man anstrebt (oder meint, es anzu­streben) ständig so viel Negatives gleichzeitig entsteht. Allerdings: im polaren Weltbild wird deswegen Böses nicht gut geheißen und es ist in unserer Welt auch nicht gleichgültig, in welchem der hellen oder dunklen Gebiete man sich bewegt. Allerdings wird erkannt, dass Unterschiedliches, sogar Feindliches, sich auf einer höheren Ebene ergänzt und bedingt.

Wicca   ist in den 1940/50er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden und versteht sich als "neu gestaltete, naturverbundene Spiritualität und als Mysterien­religion", als "eine freudvolle, lustbetonte und dies­seits­bejahende Religion, die den Körper nicht als ein zu über­windendes Übel ansieht und Körperlichkeit und Natur auch nicht als sündhaft, sondern als im höchsten Maße heilig erachtet". ( ➞ Wikipedia, W. Edlmeier, 23. April 2018 ) Sie gründet sich im Prinzip auf alte volksmagische Wurzeln (vgl. ➞ Hexen), sowie auf das alte, allerdings leicht abgeänderte heid­nische Weltbild mit dem Ziel, dem Hexentum eine zeitgemäße Grundlage zu geben. Ursprünge von Wicca finden sich auch in der Zeremonialmagie, Beeinflussungen möglicherweise anfänglich auch durch das Freimaurertum. In den Ritualen werden häufig verschiedene Gottheiten an­gerufen, die im Gegensatz zu echten Polytheisten aber nur als verschiedene Erscheinungsformen ihrer zwei großen Hauptgottheiten, der Göttin und des Gottes, angesehen werden. Diese bedingen einander und repräsentieren das innerste Wesen des Universums selbst. Dies erlaubt eine weitgehende spirituelle Individualität. Weibliche und männliche Gottheiten sind gleichberechtigt, weswegen auch die Geschlechter völlig gleichberechtigt sind.
Wicca sieht sich selbst als die Religion der Hexen an, was aber nicht alle Hexen anerkennen. Viele Wicca, aber nicht alle, bezeichnen sich selbst als Hexen und arbeiten wie sie mit magischen Methoden. Wicca ist strukturierter als der Schamanismus und kennt drei Einweihungsgrade. Wicca ist, wie allen Naturreligionen (eigentlich: Kulte), eine tiefe Verehrung der Natur zu eigen. Naturschutz ist deshalb für alle Mitglieder selbstverständlich. Näheres auch ➞ hier.

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Zauber, Zauberei   ➞ Magische Handlungen und Rituale. Bei echter Magie wird nichts vorgemacht im Sinne von optischen Täu­schungen etc. Der Begriff Zauberei im Zusammenhang mit spirituellen Praktiken ist oft negativ besetzt. Er wird im west­lichen Schamanismus deswegen meist vermieden. Angewand wird Zauberei zumeist mehr auf dem Gebiet des ➞ Hexentums und religiösen Kulten wie Voodoo. Nüchtern betrachtet, ist Zauberei nichts anderes als die durch eine bestimmte spirituell hinterlegte Handlung herbeigerufene "erwünschte Zustandsänderung" (C. Rätsch).

Zeit   Wir betrachten sie allgemein als »lineare« Zeit. Sie ist eine physikalische Größe, hat einen Anfang (beim Urknall) und wird beim prognostizierten energetischen Kältetod des Universums enden. So die gegenwärtige wissenschaftliche Meinung. Sie wird von uns je nach Umstand nicht nur unterschiedlich schnell empfunden, sondern verändert sich auch mit der Geschwin­digkeit, mit der sich Körper bewegen (vom Beobachter aus gesehen).
Es gibt aber auch eine andere, »zyklische« Zeit, die dem schama­nischen Empfinden näher steht. Wir empfinden sie, wenn wir naturnah leben. Es ist die Zeit, die vom Rhythmus der Natur, der Gestirne, der Pflanzen und Tiere bestimmt wird. Sie »ent­schleu­nigt«, alle Prozesse sind fortlaufend und immer­während. Sie zeigt sich als eine kontinuierliche Gegenwart in der nichts verloren geht oder unumkehrbar ist. Die zyklische Zeit ist die endlose, wohl­tuende Zeit in der Geschehen nicht bemessen werden.

Zerstückelung   Sie ist eine Transformation (und Teil einer ➞ Initiation) und geschieht selten im Traum, meist während einer ➞ schama­nischen Reise, die dann Zerstückelungsreise genannt wird. Um für die zukünftigen schamanischen Aufgaben und die Wanderungen durch die nicht-alltägliche Welt in der Lage zu sein, wird der betreffende Mensch regelrecht neu aufgebaut. Meist stürzen sich abenteuerlich aussehende Wesen, zuweilen auch unsichtbare Kräfte auf ihn, zerreißen den Körper, werfen weg, was nicht gebraucht werden kann und setzen das, was für die künftige Aufgabe geeignet ist, anschließend komplett neu zusammen. Das kann der Reisende an sich selbst sehen, sein Bewusstsein trennt sich für diese Zeit von seinem spirituellen Körper, er spürt aber während der ganzen Prozedur nichts. Schlussendlich ist dieser neue Mensch dann fertig und fähig sich in den Gefilden der nicht-alltäglichen Wirklichkeit zu bewegen und dort seinen Aufgaben nachzukommen. Der alte Mensch ist »zerlegt«, unpassendes und störendes entfernt und der neue ist geschaffen, »geboren«.

Dass man zu Lebzeiten nicht so einfach in diese nicht-irdischen Gefilde spirituell eintreten kann, ist in nahezu allen Religionen und Jenseitsvorstellungen bekannt. Vor allen Dingen wenn es darum geht, sich dort bewusst und frei zu bewegen. Überall gehört eine Vorbereitung, Heiligung oder Vergleichbares dazu.

 

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