Baum des Lebens - Weltenbaum
Der Zaunreiter

 

 

Über die Grenze dieser Wirklichkeit hinaus

Zaun - Grenze
"Man muss das Unglaubliche glauben; man muss sich das Unvorstellbare vorstellen, das Undenkbare denken und das Unerwartete erwarten. Erst dann kann man langsam beginnen zu verstehen." 1)

Das schreiben die Kunsthistorikerin Claudia Müller-Ebeling und der Ethnopharmakologe Christian Rätsch. Sie waren auf ihren For­schungs­reisen eingetaucht in die Wirksamkeit schamanischer Praktiken, die sie als »Bewusstseins­technologie« charakterisieren.

Sie beschreiben damit Vorgänge, die ein Überschreiten des »Zauns«, der Grenze zu anderen »Welten«, möglich machen. Im Gegensatz zum Glauben an ein wie auch immer geartetes Jenseits haben wir es hier aber mit wiederholbaren Erfahrungen zu tun. Und es ist nicht nur die Ansammlung von Bewusstseinstechniken, die den ➞ Schama­nismus ausmacht. Er ist mehr, er ist etwas durch und durch Spiri­tuelles und sehr Hilfreiches, aber ohne irgendeine dogmatische Lehre.

 

Der alte Weg steht noch offen

Schamanentrommel

Die angewandten Techniken bewirken infolge einer bewusst herbeigeführten leichten Trance einen erweiterten Bewusst­seinszustand. Der damit erzielte Effekt wird unter anderem als »schamanische Reise« bezeichnet und ähnelt dem luziden Träumen. Doch schlafen die Reisenden dabei nicht. Die Grenze (der Zaun) zwischen beiden Wirklichkeit kann mit Eintritt der Trance von den Reisenden überschritten werden. Die wäh­rend solcher Reisen auftretenden intelligenten Kräfte erscheinen zumeist als perso­nalisierte Geistwesen in menschen- oder tierähnlicher Gestalt.

Diese Techniken ermöglichen somit eine direkte Verbindung zwischen der alltäglichen Wirklichkeit wie wir sie alle kennen und der nicht-alltäglichen, normalerweise unsichtbaren Welt. In der Berührung mit der anderen Welt werden aus den Techniken Rituale. Diese uralten Rituale bilden den »Weg der unmittelbaren Erfahrung«. Denn das Hervor­stechende dabei ist nicht der Glaube an etwas, sondern das un­mit­tel­bare Erleben mit etwas. Und dieser Weg ist immer noch offen — und gangbar.

 

Rat, Hilfe, Heilung

Hilfe erhalten

Das haben unsere Vorfahren mit Hilfe dieser Rituale gesucht: Rat, Hilfe, Heilung. Und auch heute noch können schamanisch Tätige sich innerhalb der anderen Wirk­lichkeiten bewegen, Kontakte zu dortigen Wesenheiten knüpfen und Informationen sammeln. Auch heute geht es um Antworten auf Fragen, darum, Rat und Hinweise entgegen zu nehmen oder darum, mit ihrer Hilfe pro­blem­ändernde oder aufbauende Energien in Gang zu setzen. Und das nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Und so können, wie oben geschildert, die Hilfesuchenden das für die Ratio so Unglaubliche erfahren.

Denn nach schamanischem Verständnis wird bei vielen Fragen, Nöten und Problemen in erster Linie nicht nur die physische Seite betrachtet, sondern genauso intensiv auch deren spirituelles / energetisches Gegenstück. In der Begleitung mit schamanischen Ritualen kann der störende, behindernde energetische Aspekt positiv verändert oder gar gelöscht werden. So kann das Wohl­befinden und Wohl­ergehen der Betroffenen verbessert und bis zur Heilung, bzw. Problemlösung, geführt werden.

 

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1) Claudia Müller-Ebeling, Christian Rätsch und Surendra B. Shahi; im Vorwort zu ihrem Buch »Schamanismus und Tantra in Nepal«, AT-Verlag, 2008

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